Sanierungsexpertin Dr. Nicole Essiger-Munk, Politikwissenschaftlerin
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Pleitewelle trifft viele Verbraucher - Fiskus räumt ab und der Mittelstand stirbt still
Der Fiskus räumt ab

Die Pleitewelle trifft auch viele Verbraucher. „Der Mittelstand stirbt still“: Nach Aussagen unserer Politik und auch den entsprechenden Wirtschaftsverbänden ist es doch gerade der Mittelstand, welcher die so dringend benötigen Arbeitsplätze schafft oder? Immer wieder hört man das Problem der „dünnen Kapitaldecke“. Nun darf man nicht vergessen, dass selbst bei einem guten Jahr der anfallende Gewinn von unserem Fiskus abgeräumt wird ob der Unternehmer nun das Geld entnimmt oder ob er es in der Firma lässt.
Würde unser Staat seine „begehrlichen Finger“ wenigstens von dem Geld, welches in der Firma verbleibt, lassen, so könnte sich hier eine Kapitaldecke entwickeln, und somit wären bei diesem Unternehmen auch die Arbeitsplätze sicherer. Von all den Zwangsmitgliedschaften, welche auch nur Kosten verursachen, einmal abgesehen.
De von der Politik so hoch gelobte Mittelstand hat seinen Firmensitz in Deutschland und kann somit unserem Fiskus schlecht ausweichen, wie zum Beispiel die global tätigen Konzerne, welche auf den Bahamas versteuern, in China produzieren und in Deutschland Golf spielen oder an die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger ihre Produkte verkaufen wollen. Wer ist nun gefordert, diese unerträgliche Situation zu ändern?


Weniger Lohn seit Jahren

Die Vernunft dankt ab. Viele Leute beobachten einen rasanten Schwund in ihren Geldbeuteln, nicht nur seit dem Euro, aber doch seitdem in verstärktem Maße. Seit Jahren fressen die steigenden Kosten für Miete, Versicherungen, Krankenkassenbeiträge und Rentenversicherung und auch die Inflation das bisschen Gehaltserhöhung auf. Nach der Einführung des Euro jedoch stieg diese Erfahrung des „aufmüpfigen Volkes“, wie man den Bürger und Konsumenten nennt, vehement. Fast alle Dienstleister wie Krankenversicherungen, Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Banken und die Amtsstuben in den Kommunen lassen sich ihre Leistungen immer teuerer bezahlen.
Sind unsere schrumpfenden Geldbörsen nur Einbildung? Sind denn die Statistiker, die einen Anstieg der Preise von nur 2,1 Prozent beobachtet haben wollen, wirklich der Weisheit letzter Schuss? Oder hat doch der Bürger Recht, der auf die Zahlen der Statistiker pfeift und nur zählt, was am Ende des Monats im Portemonnaie übrig ist? Was wirklich zählt, ist doch, dass nach Abzug von Miete, Lebensmitteln und anderen festen Kosten immer weniger übrig ist, sodass der Bürger sich neue Möbel, Unterhaltungselektronik und dergleichen gar nicht mehr leisten kann, auch wenn diese Artikel statistisch gesehen billiger geworden sind.
Der Fehler in den Statistiken des so genannten Warenkorbs liegt einfach darin, dass zu unterschiedliche Waren hineingeworfen werden. Ich schließe ja nicht jeden Tag eine Versicherung ab, muss aber jeden Tag essen. Ich brauche nicht jeden Monat einen neuen Fernseher, muss aber jeden Monat irgendwo wohnen. Auf neue Möbel kann ich verzichten, nicht aber auf Benzin, denn ich muss zur Arbeit. Den Kauf eines neuen Computers kann ich hinausschieben, wenn in der Wohnung aber dringend etwas instand gesetzt werden muss, brauche ich den Handwerker. Der sinkende Reallohn ist Wirklichkeit. Der Euro hat das nur noch deutlicher gemacht.

Stadtzeitung Bad Nauheim Nr. 562 vom 06.09.2002


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